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Brasiliens Regenwald brennt wie lange nicht mehr

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Die brasilianische Regierung hatte angekündigt, sich für den Schutz des Regenwalds einzusetzen. Doch das waren offenbar nur Lippenbekenntnisse. Satellitendaten zeigen, dass die Zahl der Brände im Amazonasgebiet weiter steigt.

Der brasilianische Bundesstaat Amazonas ist fast halb so groß ist wie Deutschland. In ihm liegt ein großer Teil des Regenwaldes der Region, aus dem All wird das riesige Gebiet seit Jahren überwacht. Verlässliche Daten zum Zustand der grünen Lunge des Planeten sind wichtig. Weltraumagenturen wie die Nasa haben das Gebiet im Blick, federführend für die Bestandsaufnahme aus dem Weltraum aber ist das Nationale Institut für Weltraumforschung in Brasilien (Inpe). Und zuletzt waren die Meldungen der dortigen Experten alles andere als ermutigend: Bereits im Juni und Juli hatte es dramatische Melddungen über die jeweils hohe Zahl an Feuern in der Region gegeben.

Auch in diesem Monat belegen die Satellitendaten ein Trauerspiel: Auf den Inpe-Bildern finden sich für den Bundesstaat Amazonas im Zeitraum zwischen dem 1. August und 30. August nicht weniger als 7766 Brände. Das ist der höchste Wert für diesen Monat, seit die Erhebung im Jahr 1998 begann.

Die Trockenzeit in dieser Region läuft von Juli bis etwa November. Der August gilt für gewöhnlich als einer der trockensten Monate. Dennoch fängt der Amazonas-Regenwald nicht von allein Feuer. Die meisten Brände werden Experten zufolge gelegt, um Flächen für Landwirtschaft und Viehzucht bereitzustellen.

Viele Brandstellen liegen entlang der Straßen durch das Gebiet. Die mit Hilfe der gerodeten Flächen hergestellten Produkte werden in verschiede Länder exportiert, auch nach Europa. So hat eine Studie kürzlich gezeigt, dass bei brasilianischen Rindfleischexporten rund 17 Prozent zur Fütterung der Tiere verwandte Soja von ehemaligen Regenwald- und Savannenflächen stammen, die illegal entwaldet wurden.

Umweltschützer werfen dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der seit 1. Januar 2019 im Amt ist, vor, die Brände in Kauf zu nehmen. Bolsonaro ist ein Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung des Amazonas-Gebiets und hat die Umwelt- und Kontrollbehörden gezielt geschwächt.

Hickhack um die Regierungslinie

Mehrere brasilianische Unternehmen hatten sich zuletzt dafür stark gemacht, dass sich die Regierung mehr um den Schutz des Regenwaldes kümmert. Hintergrund war vor allem der Druck internationaler Aktionäre. Die Regierung hatte sich daraufhin zu Polizeieinsätzen gegen illegale Holzfäller, mehr Regulierung und zusätzlichen Mitteln für den Umweltschutz verpflichtet. Experten hatten sich nach den Ankündigungen im Juli aber skeptisch gezeigt.

Die Zurückhaltung schien dann auch angebracht. Am vergangenen Freitag hatte das brasilianische Umweltministerium angekündigt, dass alle Operationen zur Bekämpfung der illegalen Abholzung in den neun Bundesstaaten Amazoniens sowie der Brände im weltgrößten Sumpfgebiet Pantanal und in anderen Regionen des Landes von dieser Woche an ausgesetzt würden - aus Budgetgründen.

Dann hatte jedoch Vize-Präsident Hamilton Mourão die entsprechenden Äußerungen als voreilig bezeichnet. Die entsprechenden Mittel seien doch freigegeben worden, hieß es in der Folge. Die Vorhaben könnten normal weitergehen. Wobei das die Brandrodung ja offenbar kaum einzuschränken zu scheint, wie die aktuellen Daten nahelegen.


Quelle: Spiegel online (https://www.spiegel.de/wissens...)