energate | Immo

Wärmeversorgung aus dem U-Bahn-Tunnel

unbenannt.jpg

Lausanne (energate) - Mit einer innovativen Studie zur Nutzung des thermischen Potenzials von U-Bahn-Tunneln machen Forscher aus Lausanne auf sich aufmerksam. Eine Studiengruppe der Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat ermittelt, wie viel thermische Energie in U-Bahn-Tunneln steckt. Ihr Ergebnis: Allein die Wärme der künftigen U-Bahnstrecke M3 in Lausanne würde ausreichen, um rund 1.500 Wohnungen zu versorgen. So skizzieren es die Forscher zumindest in einem Artikel in der Zeitschrift "Applied Thermal Engineering", den jetzt der BFE-Blog aufgegriffen hat.

Genügend Wärme für 1.500 Wohnungen

In einem Tunnel, in dem sich eine U-Bahn bewegt, gibt es ständige Veränderungen des Temperaturlevels. Insbesondere während Beschleunigungs- und Bremsphasen entsteht viel Wärme, die bislang weitgehend ungenutzt verpufft. Das wollen die Forscher des EPFL-Labors für Bodenmechanik (LMS) ändern. Ihnen ist jetzt nach eigenen Angaben erstmals gelungen, das so entstehende Wärmepotenzial am Beispiel der in Lausanne geplanten neuen Linie M3 genau zu quantifizieren. Würde man etwa 50 bis 60 Prozent der Fläche dieser Trasse thermisch nutzen, könnte man damit rund 1.500 Standardwohnungen mit einer Fläche von 80 Quadratmetern beheizen, erklärte Margaux Peltier, wissenschaftliche Mitarbeiterin am LMS.

Um die Wärme nutzbar zu machen, seien keine enormen Investitionen erforderlich, erläutern die Forscher. Konkret schlagen sie vor, in regelmässigen Abständen Kunststoffrohre in die Betonkonstruktion des U-Bahn-Tunnels einzubringen und diese an ein Wärmepumpensystem anzuschliessen. Eine Wärmeträgerflüssigkeit würde dann in das Rohrsystem eingeführt, die die Wärme im Untergrund aufnimmt und per Leitung in die Gebäude an der Oberfläche bringt. "Das wäre eine Weltneuheit", betont EPFL-Mitarbeiterin Peltier. Die Stadt Lausanne könnte mit dem Vorzeigeprojekt zugleich einen merklichen Beitrag an die CO2-Reduktion leisten. "Die Stadt würde den Ausstoss von zwei Mio. Tonnen CO2 pro Jahr im Vergleich zu einer Gasheizung vermeiden", so Peltier.

Forscher hoffen aus Unterstützung aus der Industrie

Die Überlegungen der Forscher gehen so weit, das System in den Sommermonaten auch für die Kälteversorgung nutzbar zu machen. Denn im Sommer könne die im Vergleich zur Umgebungsluft meist kältere Tunnelluft auch Kälte zur Verfügung stellen. Ausreichen würde diese nach den Berechnungen der EPFL-Forscher am Beispiel M3 beispielsweise für den Kältebedarf der im zukünftigen Ökoquartier "Métamorphose" geplanten Eisbahn. "Diese Publikation zeigt, dass die Energietunneltechnologie ausgereift ist und wir sie auf Quartiersniveau nutzen können", erläuterte LMS-Direktor Lyesse Laloui. "Es bleibt abzuwarten, ob die Schweizer Industrie bereit ist, auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle zu übernehmen", führte er aus. Denn bislang werde die Technologie weltweit nur vereinzelt in Pilotprojekten erprobt. /cs


Quelle: energate immo