energate | Immo

GEG-Entwurf ohne Impulse für Bestandssanierung

fotolia-97450466-subscription-monthly-xxl.jpg

Stuttgart (energate) - Bei der Sanierung des Bestands greift der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf für ein Gebäudeenergiegesetz (GEG) deutlich zu kurz. Das kritisiert die vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Initiative Zukunft Altbau. Die Sanierungsbranche benötige zukunftsfähige gesetzliche Energiestandards bei Neubau und Sanierung sowie eine Vereinfachung bei der energetischen Bilanzierung von Gebäuden, teilte die Initiative mit. "Ohne verschärfte Vorgaben sind die Klimaschutzziele im Gebäudebestand kaum zu erreichen", so Frank Hettler von Zukunft Altbau. "Kleinere Verschärfungen für Neubauten reichen bei Weitem nicht aus."

Verbändeanhörung mit offenen Fragen

Die Bundesministerien für Bau und Wirtschaft haben Ende Mai einen GEG-Entwurf in die Verbändeanhörung gegeben (energate berichtete). Er fügt geltendes Recht zusammen und legt einen von der EU geforderten Mindestenergiestandard fest. Allerdings besteht zum Entwurf offener Dissens in der Bundesregierung. Während Bau- und Wirtschaftsressort bestehende Effizienzstandards fortschreiben wollen, fordert das Umweltministerium eine Verschärfung. Die Konsultation läuft noch bis zum 28. Juni.

Auch Zukunft Neubau wünscht sich ein Gesetz mit mehr Ambitionen. Neben höheren Effizienzstandards geht es der Initiative aber auch um Vereinfachungen. Die bisherigen Vorgaben, etwa aus der Energieeinsparverordnung, seien im Detail selbst für ausgewiesene Fachleute nicht komplett verständlich und führten in der Praxis immer wieder zu Verwirrung. "Von klaren, einfachen Vorgaben könnten alle Beteiligten profitieren, vom Auftraggeber über Planer und Energieberater bis hin zum Handwerker und den Nutzern", so Volker Kienzlen von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA). Die KEA hat die Initiative Zukunft Altbau ins Leben gerufen. "Das hätten wir uns vom Bund dringend gewünscht."

Keine Fortschritte seit 2006

Die Kritik am GEG-Entwurf werde von vielen Energieberatern und Architekten in Baden-Württemberg geteilt, betont die KEA weiter. Den Baufachleuten gehe es vor allem um praktikable Standards und Berechnungsverfahren. Um die "Herkulesaufgabe Sanierung des Gebäudebestands" anzugehen, brauche die Branche klare und für die Eigentümer nachvollziehbare Anforderungen, "die vom Ziel des klimaneutralen Gebäudebestandes abgeleitet sind", so Kienzlen. Hierzu gebe es im GEG nahezu keine Ansätze. Andere Länder wie Dänemark, Österreich, Frankreich oder die Niederlande förderten einfachere Verfahren und ambitioniertere Standards. In Deutschland dagegen gebe es seit der Einführung der Energieeinsparverordnung im Jahr 2006 keine nennenswerten Fortschritte mehr. Und das, obwohl sich Bautechnik und Gebäudestandards erheblich weiterentwickelt haben.


Copyright: Energate immo