Blog

Neues Gesetz 2020: Die Bon-Pflicht sinnvoll oder weitere Umwelt Belastung?


von annavhpl

Neues Jahr, neue Gesetze ab diesem Jahr müssen zwingend beispielsweise Einzelhändler, Friseure oder Bäcker die Kassenzettel an den Kunden herausgeben, auch wenn er diesen nicht benötigt. Doch was steckt genau dahinter?

adobestock-24561594.jpeg

Wer wollte die Kassenbonpflicht einführen?


Dies wurde bereits 2016 vom Finanzministerium als Teil der „Kassenversicherungsordnung“ beschlossen. Das Ganze regelt unter anderem die Anforderung an Kassensysteme.

Ab 01.01.2020 verpflichtet die Kassensicherungsverordnung Händler und Unternehmer dazu, die Kassensysteme durch eine „Technische Sicherheitseinrichtung“ (TSE) zu schützen. Dadurch ist keine Löschung von Umsätzen mehr möglich und Ladenkassen werden fälschungssicher. In dieser Verordnung wurde auch die Kassenanmeldepflicht festgelegt, sowie die eben genannte „Belegausgabepflicht“. 


Was bezweckt die „Belegausgabepflicht“ ab Januar 2020?

Unternehmer die eine elektronische Kasse haben, müssen bei jedem Geschäftsfall (also immer, wenn Ware/Dienstleistungen gegen Geld getauscht wurde), den Beleg an den Kunden ausstellen. Dabei hat der Kunde aber dennoch das Recht den Beleg abzulehnen, somit sind die Verbraucher nicht verpflichtet diesen auch mitzunehmen. Die Regelung gilt für alle Bereiche, wie beispielsweise Dienstleistung, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel.


Wieso gibt es diese Pflicht ab diesem Jahr?

Das Gesetz soll Unternehmen vor der Kassenmanipulation schützen, somit will der Gesetzgeber damit den Steuerbetrug verhindern. Durch das Inkrafttreten dieser Verordnung bekommen die Händler Planungs- und Rechtssicherheit und ist im Endeffekt etwas Positives für die Händler.  Somit müssen die Inhaber eines elektronischen Kassensystems mit zertifizierter TSE nicht mehr beweisen, dass ihre Aufzeichnung stimmen.


Die Folgen für die Umwelt: Wie ist das Thema „Bonpfilcht“ aus Umweltsicht zu bewerten? 

Kassenzettel werden aus Frischfasern hergestellt, wodurch Ressourcen wie Energie, Wasser und Holz verbraucht werden. Aus Umweltsicht ist allerdings eher weniger das Papier die Problematik, sondern die chemische Zusammensetzung, sowie die immer größer werdende Müllmasse.  

Stichwort hierfür ist, dass der Großteil der Kassenbons aus Thermopapier besteht, welches mit dem Weichmacher Bisphenol A (BPA) beschichtet ist. Dieser chemische Stoff ist bereits als gesundheitsschädlich bekannt, da es hormonell wirkt und unteranderem die Fortpflanzung von Lebewesen beschränkt. Jedoch soll die Verwendung von BPA-beschichtetem Thermopapier für alle EU-Mitgliedsstaaten ab diesem Jahr verboten werden. Ob die nun verwendeten Ersatzstoffe besser sind, ist noch nicht geklärt.

Entstehende Müllmassen:

Das sorgt für Unmengen an Müll sei es für die Unternehmen, die die nicht mitgenommen Kassenzettel entsorgen müssen oder für den Verbraucher selbst. Hierbei muss besonders darauf geachtet werden, dass die Bons ausschließlich in der Restmülltonne entsorgt werden. Grund dafür sind die Chemikalien die in dem Thermopapier verarbeiteten wurden. Werden die Belege im Altpapier entsorgt, könnten die Inhaltsstoffe etwa über das Recyclingpapier wieder in die Umwelt gelangen.

Der Steuerexperte Ralph Brüggelmann des Handelsverbands Deutschlands rechnete die Zahl der deutschlandweit zusätzlichen ausgedruckten Belege aus und kommt auf ein jährliches Ergebnis von mehr als zwei Millionen zusätzlichen Kilometern. Um sich  das mal mit einem konkreten Beispiel vorstellen zu können. Man könnte allein mit diesen zwei Millionen Kilometern an Bons ca. 50 mal den Äquator einwickeln.


Fazit:

In den heutigen Zeiten in denen Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit immer wichtiger und bedeutsamer werden, ist die Bonausgabepflicht vollkommen fehl am Platz. Klar das durch neue Kassensysteme dem Thema Steuerbetrug ein Ende gesetzt werden soll, ist auch sinnvoll. Aber dafür muss man nicht den Bon zwanghaft für jeden Kunden herauslassen, da dieser für die Dokumentation vollkommen irrelevant ist.
Meiner Meinung nach sollte man allein aus der Sicht der Umwelt den Bon nur rauslassen, wenn der Kunde ihn auch explizit verlangt. 

1 Kommentar

  • Anna-Maria schrieb

    Ich finde eine Bonpflicht ebenfalls nicht zeitgemäß und alles andere als nachhaltig. Anstatt endlich was gegen unsere wachsenden Müllberge zu tun kommt so noch was oben drauf.
    Die Kassensysteme sollten auch ohne Herauslassen des Bons funktionieren...