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Papierrecycling – aus alt mach neu


von Anna-Maria
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Deutschland ist mit einem durchschnittlichen Papierverbrauch von 247 Kilo pro Person an weltweit dritter Stelle hinter Belgien und Österreich. In den 247 Kilo sind dabei alle Arten von Papier enthalten, also von Kartonverpackungen bis hin zum Klopapier. Den größten Anteil hat allerdings das Drucker- und Kopierpapier. Dabei zerstört die Papierindustrie unsere Wälder in rasantem Tempo. Weltweit wird fast jeder zweite industriell gefällte Baum zu Zeitschriften, Verpackungen, Drucker- oder Küchenpapier verarbeitet. Heute setzt die Papierindustrie zunehmend mehr auf Altpapier. 75% waren es im Jahr 2017. Allerdings wird der Effizienzgewinn durch das Altpapier durch den zunehmenden Verbrauch aufgehoben.

Für jedes Kilo Frischfaserpapier werden in der Produktion knapp über 2 Kilogramm Holz benötigt. Der für die Papierproduktion benötigte Zellstoff wird zumeist nach Deutschland importiert und stammt direkt oder indirekt von Tropenholz aus Urwaldgebieten. Jahr für Jahr verschwinden 12 bis 15 Millionen Hektar Wald – das entspricht einer Fläche dreimal so groß wie die Schweiz. Rechnet man das hoch, verschwindet alle zwei Sekunden Urwald in der Größe eines Fußballfeldes. Neben dem Holzverbrauch ist auch der Energieaufwand bei der Papierproduktion besonders hoch. Das Herauslösen der Fasern und das Bleichen benötigt besonders viel Energie. Hier kommen ebenfalls starke Chemikalien zum Einsatz, die sehr schädlich und umweltbelastend sind. Die Produktion eines typischen Blatts Papier im Format DIN A4 verbraucht zudem noch etwa 10 Liter Wasser.

Für die Herstellung von Recyclingpapier wird bis zu 70% Wasser und 60% Energie gespart. Außerdem muss für die Herstellung von Recyclingpapier kein einziger Baum fallen, da es zu 100% aus Altpapier besteht. Siegel wie der blaue Engel garantieren zudem, dass zur Herstellung keine giftigen Chemikalien oder Zusatzstoffe verwendet werden. Außerdem sind in der Regel die Transportwege kürzer. Die IFEU Heidelberg hat z.B. berechnet, dass ich mit dem Kauf von 500 Blatt Recyclingpapier im Vergleich zu 500 Blatt Frischfaserpapier so viel Energie spare, dass eine 100-Watt-Glühlampe 44 Stunden brennen kann.

So funktioniert das Papierrecycling: 

Zunächst wird das Altpapier aus der Papiertonne eingesammelt. Hierfür ist natürlich die korrekte Mülltrennung der Haushalte Voraussetzung. Kurze Auffrischung: Hygienepapier, Servietten, Backpapier, Aufkleber, verschmutzte Papierabfälle kommen zum Beispiel nicht in den Papiermüll. Bestens geeignet sind hingegen Zeitungen, Zeitschriften, Prospekte, Papierschnipsel, Pappe, Kartonverpackungen, Büropapier. Nachdem das Altpapier abgeholt wurde, wird es nach den verschiedenen Arten sortiert. Kartons werden zum Beispiel separiert, da die dunklen Fasern auch im Nachgang zur Produktion von dunklen Produkten verwendet wird und nicht für helles Druckerpapier. Weiter wird papierfremdes Material wie Büroklammern, Heftnadeln, usw. entfernt. Das übrig gebliebene Papier wird dann zerkleinert. Die Papierstücke werden dann mit Wasser vermischt wodurch ein Brei entsteht und die Fasern sich lösen. Mit Natronlauge werden Farbteilchen herausgelöst und später mit dem Schaum abgetragen.  Der Brei wird dann geglättet, getrocknet und zu neuem Papier ausgerollt. Für helleres Papier wird die Masse vorher noch gebleicht. Recyclingpapier wird von 60er bis 100er Weiße (nach ISO 2470) angeboten. Aus ökologischer Sicht gilt, dass Papier nur so weiß wie nötig sein sollte. Diese Prozedur kann leider nicht endlich fortgeführt werden, nach ca. 5 – 7 solcher Vorgänge werden die Fasern dann zu kurz und das Papier wäre nicht mehr stabil genug.

Recyclingpapier ist also im Vergleich zu den Frischfasern die deutlich umweltfreundlichere Lösung und zudem meist sogar auch kostengünstiger. Beim Kauf von Recyclingpapier empfiehlt das Bundesministerium für Umwelt auf das „Blaue Engel“ Zeichen zu achten, denn das ist eindeutig die umweltfreundlichste Wahl.  Dennoch wird auch beim Papierrecycling Energie und Wasser aufgewendet und es gilt die Devise „Think before you print“. Auch bei Küchenrollen kann man z.B. auf wiederverwendbare Lappen umsteigen oder das Benutzen von Stofftaschentüchern spart ebenfalls Papier ein. Denn kein Papier verbrauchen ist immer noch die beste Lösung!

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