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Tradition Weihnachtsbaum: Wie nachhaltig ist die Weihnachtstanne wirklich?


von annavhpl

Am nachhaltigsten wäre die Angelegenheit natürlich, wenn auf den Weihnachtsbaum verzichtet wird. Dennoch ist es Tradition an Heiligabend die ganzen Geschenke der Liebsten unter dem Baum zu stellen und das Fest der Liebe gemeinsam in gemütlicher Atmosphäre, als zentralen Punkt den lieblich geschmückten Tannenbaum, zu verbringen.


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Die Geschichte des Weihnachtsbaums?

Die Geschichte der Tradition des Christbaums, die heute gar nicht mehr wegzudenken ist, begann schon mit den ersten geschichtlichen Fußabdrücken damals bei den Germanen. Diese hegten heidnische Bräuche die spirituelle Funktionen übernahmen, Mistel- und Tannenzweige galten als Symbol von Fruchtbarkeit und Leben. Dabei wurden die Tannenzweige beispielsweise um böse Geister fernzuhalten in den Eingang eines Hauses hängten.

1527: Der älteste Weihnachtsbaum in Deutschland kam aus dem Stockstäder Hübnerwald., dass man in einer Mainzer Akte mit „die weiennacht baum“ nachlesen kann.

16. Jahrhundert: Hierhin wurde die Tradition Norddeutscher Kaufleute datiert, die zum Markt getragene, geschmückte Tannenbäume verbrannten.

1611: Ließ die Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien den ersten Baum mit Äpfel, Oblaten, Papierdekoration und Kerzen schmücken.

1816: In die Literatur schaffte es der Christbaum erstmalig mit dem Berliner Stück „Nussknacker und Mausekönig“

Den Christbaum wie man ihn heute in seiner Blüte an Weihnachten kennt, gab es erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, denn die katholische Kirche erlaubte es vorher nicht.

 

Zahlen und Fakten zum Thema: Christbaum

In Deutschland ist der Absatz von Weihnachtsbäumen in dem Zeitraum von 2008 mit 28,5 Millionen auf 29,8 Millionen im Jahr 2018  gestiegen somit ist es eine Steigerung von 4,56%.

In Deutschland lag der Absatz von Christbäumen im Jahr 2018 bei 29,8 Millionen, um diesen Absatz zu decken wird eine enorm große landwirtschaftliche Fläche von ca. 50.000 Hektar benötigt, was bildlich gesprochen 70.000 Fußballfelder ausmacht.  Im Vergleich benötigt ein Mensch, um seine Nahrung für ein ganzes Jahr zu produzieren ca. 0,2 Hektar Agrarfläche. Laut einer Statistik von Statista.

 

Wer dennoch nicht auf seinen Tannenbaum verzichten möchte hat folgende Möglichkeiten:

Kauf eines Öko-Weihnachtsbaum: Diese werden nach Kriterien des ökologischen Landbaus beispielsweise wie Naturland, BIO oder Bioland oder des ökologisch ausgerichteten Waldbaus (FSC – Forest Stewardship Council -  oder Naturland), von unabhängiger Seite zertifiziert.

Weihnachtsbaumkulturen die nach den Regeln des ökologischen Landbaus zertifiziert sind:

  • BIO und das dänische Ø: Produktionsflächen die von staatlicher Seite nach der EG-Öko-Verordnung zertifiziert wurden
  • Zum Zertifizierungsverband BÖLW „Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft“ gehören Bioland, Biokreis, Naturland und Demeter, Weihnachtsbäume aus Kulturen in Öko-Landwirtschaftsbetrieben, daher gilt die Weihnachtsbäume stammen aus ökologischem Anbau

Zu den zertifizierten Weihnachtsbäumen nach den Richtlinien ökologischer Waldnutzung zählen:

  • Naturland-Weihnachtsbäume werden nach den Naturland Richtlinien für ökologische Waldnutzung bewirtschaftet.  Alle Waldbetriebe von Naturland tragen zusätzlich das internationale Zertifikat des FSC. Dabei sind wichtige Kriterien der Verzicht auf Pestizide, Kahlschlag, Entwässerungsmaßnahmen und Düngungen. Die Weihnachtsbäume stammen aus den betriebseignen Weihnachtsbaumkulturen innerhalb eines Waldes, die beispielsweise unter Stromleitungen angelegt wurden.
  • FSC-Weihnachtsbäume stammen aus FSC-zertifizierten Waldflächen. Das internationale FSC-Gütezeichen steht für die umweltgerechte, wirtschaftlich und sozial verträgliche Waldnutzung. Allerdings dürfen nur Holz Produkte dieses FSC-Zertifikat tragen, dabei zählen die Christbäume jedoch zu Nichtholz-Waldprodukte (NTFP – Non Timber Forest Products). Jedoch sind Aussagen wie „ Weihnachtsbäume aus einem FSC-zertifizierten Forstbetrieb“ zulässig.

Fair Trees

Das Zeichen „Fair Trees“-Label einer dänischen Initiative für die Nordmann-Tannen setzt sich für die Verbesserung der sozialen Arbeits- und Lebensbedingungen der Zapfenpflücker und ihren Familien in Georgien ein, wo die Nordmann-Tannen wachsen. Die geernteten  Samen tragen sowohl das EU-Bio-Siegel, als auch das Fair Seeds-Siegel der dänischen Fair Trade Organisation. Die aus den Samen aufgezogenen Weihnachtsbäume dürfen das Zeichen der Initiative tragen, dass per se aber kein Öko-Zeichen ist. Hierbei ist wichtig, dass die Weihnachtsbäume nach den Bedingungen des ökologischen Land- und Waldbaus heranwachsen, um von Öko-Weihnachtsbäumen sprechen zu können. 

 

Keine Öko-Weihnachtsbäume:

Zu den nicht ökologisch zertifizierten Weihnachtsbäumen gehören Zertifikate ohne betont ökologische Ausrichtungen beispielsweise  das sehr allgemein gehaltene von Waldbesitzerorganisationen und Forstindustrie entwickelte PEFC-Forstlabel – Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Dieses Label lässt den Einsatz von Düngergaben und Pestiziden zu.

Das von der ökologischen Aufzucht bis zur Ernte angepriesene Label Fair Forest von vier Sauerländischen Weihnachtsbaum Produzenten entwickelte Label ist eine Kundentäuschung.

 

Pro & Kontra und die Ökobilanz  bei Christbäumen  

Für den klassischen Christbaum als Naturprodukt spricht ganz klar das Ambiente, der Duft nach Harz und die große Vielfalt der verschiedenen Hölzer. Dennoch muss man direkt dazu sagen, dass es mittlerweile künstliche Bäume gibt, die erstaunlich echt aussehen, jedoch beim Punkt Duft kann dieser noch nicht mithalten.

 

Die Ökobilanz im Vergleich:

Tatsächlich ist die Öko-Bilanz eines echten Christbaums weiterhin besser als die eines künstlichen Baums.

93% der Christbäume werden nach ihrem Gebrauch entweder Recycelt, beispielsweise:

In Berlin kommen die Weihnachtsbäume zur Verwertung in Biomassekraftwerken um so Strom und Fernwärme zu produzieren. Durch 350.000 Bäume können 500 Berliner Haushalte ein Jahr lang mit Wärme und Strom beliefert werden. In München werden teilweise die Christbäumen in Spannplatten verarbeitet und in Leipzig werden die Bäume kompostiert um daraus später Humus zu gewinnen. Die nicht verkauften Restbestände werden Großteils an Zoos weitergeben, denn Elefanten und Co. Verwerten die Bäume getreu nach dem Motto: Mit Essen spielt man nicht, jedoch wird sich hier nicht ganz an die Regel gehalten.  

Studien zeigen, dass je nach Produktionsland und Herstellung eine künstliche Tanne 17 bis 20 Jahre aufgestellt werden müsse, bis sie sich ökologisch amortisiert hat. Bei dieser Studie wurden folgende Kriterien berücksichtigt: Künstliche Bäume legen einen sehr weiten Transportweg zurück, sie bestehen aus Kunststoff und sind teilweise auch gesundheitsschädlich. Bei dem Transportweg von China nach Deutschland werden etliche Liter Treibstoff verbraucht, was wiederum die Öko-Bilanz ansteigen lässt. Die künstlichen Tannen sind ebenfalls nicht recyclebar und landen somit nach Gebrauch auf Deponien.  Dort dauert die Zersetzung des Baums wiederum mehrere hundert Jahre. Alternativ können die Plastikbäume auch verbrannt werden, was wiederum krebserregende Stoffe freisetzt.  

Der Studie zufolge kommen bei der Plastiktanne insgesamt 48,3kg CO2 zusammen, während ein echter Christbaum grad mal auf einen CO2 Ausstoß von 3,1 kg kommt.

Abschließend muss man auch sagen, dass echte Christbäume in ihrem Wachstumszeitraum von acht bis zehn Jahren CO2 speichern, was bei der Plastiktanne nicht der Fall ist.

 

Welche Alternativen gibt es?  

Im folgende nenne ich euch zwei mögliche Alternativen zu der diesjährigen Christbaumsuche:

Bei dem Onlinehandel ROOM IN A BOX  gibt es momentan einen Zero Waste Weihnachtsbaum zu erwerben. Hierbei handelt es sich um eine begrenzte Anzahl des Schmuckstückes und eine tolle Alternative die trotzdem schön mit Christbaumkugeln und Lichterkette gestaltet und der sogar bemalt werden kann. Der wiederverwendbare Zero Waste Weihnachtsbaum schützt nicht nur die Umwelt, sondern schont auch den Geldbeutel. Der Baum besteht aus ca. 70% recyceltem Papier und hat die Vorteile ziemlich schnell wieder auf- und abgebaut zu werden und produziert keinen Dreck.

Im Verkaufspreis ist eine Baumspende in Höhe von 3,00€ enthalten, die an das PRIMAKLIMA e.V. geht. Mehr zu der Baumspende erfährst du hier:   https://www.primaklima.org/baeume-verschenken/standorte/

 

Eine weitere Möglichkeit wäre die diesjährige Tanne einfach in einem Topf zu mieten. Hierfür gibt es verschiedene Anbieter wie „Greentree“, „Paderbäumchen“ oder „Weihnachtsbaumfreunde“ die unterschiedliche Modelle anbieten.  Was die Anbieter alle gemeinsam haben ist, dass alle Bäume noch leben, der ausgewählte Baum im Topf zur Miete ankommt und nach dem Fest wieder abgeholt wird. Die Kosten liegen je nach ausgewähltem Modell zwischen 55 und 100 Euro. Das tolle ist, dass er nach dem Einsatz das nächste Jahr wieder verliehen werden kann.

2 Kommentare

  • Anna-Maria schrieb

    Ich persönlich finde ein Weihnachtsbaum aus Pappe oder Plastik bringt nicht die gleiche Stimmung wie ein normaler Weihnachtsbaum. Dann würde ich lieber direkt darauf verzichten.
    Eine gute Alternative ist meiner Meinung nach darauf zu achten woher die Bäume kommen. Wie in dem Text beschrieben gibt es Stellen an den Bäume eh ab einer bestimmten Größe abgeholzt werden müssen und diese bieten sich ja dann perfekt als Weihnachtsbaum an.

  • JOvali schrieb

    Ich war früher auch immer der Meinung, dass nur ein echter Baum die richtige Stimmung bringt. Vor 4 Jahren haben wir uns dann doch für einen künstlichen Baum entschieden. Ursprünglich aus Nachhaltigkeitsgründen, die in diesem Artikel widerlegt worden sind. Trotzdem bin ich mit unserem Kauf noch zufrieden. Der Baum sieht täuschend echt aus, lässt sich einfach auf- und abbauen und er macht keinen Dreck. Da wir vorhaben den Baum die nächsten Jahrzehnte zu verwenden, hat sich unser Nachhaltigkeitsgedanke doch als richtig heraus gestellt, wenn man nach diesem Artikel geht.