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Ein Leben in Autarkie – Geht das?


von Anna-Maria
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Autark leben bedeutet unabhängig sein, unabhängig von Strom- und Heizkosten, unabhängig vom Supermarkt und unabhängig von Benzin. Dabei spart man sich nicht nur einiges an Kosten, sondern trägt auch noch einen großen Teil zum Umweltschutz bei.

In einem autarken Haus leben bedeutet vor allem energetisch autark. Hier wird sich stets mittels erneuerbaren Ressourcen versorgt. Ein schlüsselfertiges autarkes Haus bedeutet erstmal eine große Investition. Ca. 400.000€ rechnet man hier pro Haus. Allerdings spart man sich so jährlich auch bis zu 6.000 € an Kosten. Die Mehrkosten für die Technik amortisieren sich nach ca. 13 Jahren. So ist es vor allem im Hinblick auf eine private Altersvorsorge eine gute Alternative. Vor allem mit dem Gedanken dass durch steigende Stromkosten und Inflation die Ersparnisse von Jahr zu Jahr wertvoller werden.

Ein Komplettausstieg ist vielen eine Nummer zu groß, aber es gibt viele Möglichkeiten sein Leben teilweise autark zu gestalten ohne Einbußen machen zu müssen.

Strom

Ein Haus ist abhängig vom Strom. Licht, Küchengeräte etc. müssen schließlich laufen. Allerdings muss das nicht gleich bedeuten, dass wir uns abhängig von unserem Stromanbieter machen müssen.

Die gängigste Alternative für den Schritt in die Autarkie im Bereich Strom ist eine Photovoltaikanlage. Ist die Anlage erst einmal installiert, ist der elektrische Strom günstig und CO2-frei herzustellen. So kann man z.B. auch sein Elektroauto mit selbst produziertem Strom aufladen und macht sich auch gleichzeitig unabhängig vom Treibstoffmarkt. Die Kosten für Photovoltaikanlagen sind in den letzten Jahren gesunken. Als Voraussetzung sollte man ein nach Süden ausgerichtetes Haus haben.

Um allerdings völlig autark zu sein ist ein Stromspeicher von Nöten, um Zeiten zu überbrücken, in denen weniger Sonne scheint und die gewonnene Energie über Wochen und Monate sicherstellen. Diese Technologie ist allerdings noch vergleichsweise teuer.

Eine zusätzliche Möglichkeit wäre die Photovoltaik Anlage in sonnenschwachen Stunden durch ein privates Windrad zu unterstützen. Hier fangen die Hürden allerdings schon bei den Nachbarn an, die das Recht haben dagegen zu klagen.

Heizung

Wärme wird bislang in normalen, herkömmlichen Eigenheimen hauptsächlich durch Öl oder Gas erzeugt. Dabei wird bekanntlich Heizöl oder Erdgas verbrannt um Wasser zu erhitzen. Dieses warme oder heiße Wasser wird dann durch das Leitungsnetz des Hauses in die jeweiligen Heizkörper in den Zimmern verteilt und gibt die Wärme somit an die Räume ab. Bei der Öl- und Gasverbrennung entsteht allerdings sehr viel CO2 und dieses Treibhausgas ist hauptverantwortlich für den Klimawandel.

Die bessere Alternative ist also Sonnenkollektoren (Solarthermie) zu verwenden. Diese können sowohl für Warmwasserbereitung als auch für die Heizungsunterstützung eingesetzt werden. Für letztere wird aber eine nochmal deutlich größere Kollektorfläche notwendig. Durchschnittlich wird für eine solare Heizungsunterstützung die doppelte Kollektorfläche im Vergleich zur reinen Trinkwassererwärmung gewählt. Ein Hindernis ist hier, dass Solarthermie und Photovoltaik um den Platz auf dem Hausdach konkurrieren.

Wasser

Beim Wasser gibt es in Deutschland die erste gesetzliche Hürde, die dazu führt, dass ein gänzlich autarkes wohnen nicht möglich ist. Ein Anschluss an ein Wasser- und Kanalnetz sind Pflicht und Regenwasser darf nur für die Bewässerung des Gartens, die Waschmaschine und die Toilette verwendet werden. Hier muss man eine Zisterne installieren und über zwei getrennte Kreise im Wasserleitungssystem verfügen. Für das abfließende Regenwasser muss eine Abwassergebühr entrichtet werden. Die Zisterne ist ein Behälter aus Kunststoff oder Beton, der Regenwasser speichert und über eine Pumpe zur Verfügung stellt. Dafür ist sie meist in der Erde eingelassen, von wo aus sie das Wasser vom Dach und anderen Auffangflächen sammelt. Rein aus wirtschaftlicher Sicht mag eine Zisterne nicht immer die erwünschte Ersparnis bringen, aber aus ökologischer Sicht hat sie nur Vorteile. Man muss nicht mehr das teuer und energetisch aufwendig aufbereitete Trinkwasser zur Gartenbewässerung oder für die Toilettenspülung nehmen.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Brunnen mit dem man Zugriff auf das Grundwasser hat. Moderne Filtertechnik erlaubt es so auch Wasser in echter Trinkqualität zu bekommen. Je tiefer man allerdings graben oder bohren muss desto teurer wird die Angelegenheit.

Abwasser

Rund 110 Liter Abwasser produziert jeder Deutsche pro Tag. Früher wäre eine klassische Alternative für den Schritt in die Autarkie eine Sickergrube gewesen. Diese sind heutzutage allerdings verboten. Ein Anschluss an das öffentliche Wasser- und Kanalsystem ist wie bereits erwähnt unausweichlich.

Garten

Indem man seinen Garten sinnvoll anlegt ist es möglich sich weitestgehend vom Supermarkt zu trennen. Eine komplette Autarkie ist hier nur schwer umsetzbar. Im Garten kann man Gemüse und Obst für den eigenen Verzehr anbauen. So hat man immer saisonal frische Produkte ohne chemischen Dünger. Man spart zusätzlich auch noch die Verpackung und den Transport von Gemüse, dass oft aus europäischen Nachbarländern angeliefert wird. Zudem ist es kostentechnisch günstiger. Auch Kleintiere zu halten, wie z.B. Hühner die frische Eier legen ist möglich. Für die passende Entsorgung sollte man im Garten einen Kompost anlegen, dessen Erde man dann als Dünger wiederverwenden kann.

Alles in allem keine leichte Aufgabe, die sich aber doppelt und dreifach bezahlt macht.

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